Episode 24 Joan Miró - Das blaue Vermächtnis
Shownotes
In dieser ersten Folge des neuen Ablegers von Artaffairs auf der Insel Mallorca erfährst Du in einem imaginären Interview mit dem Künstler Joan Miró: Warum Mallorca für Joan Miró mehr war als nur ein Rückzugsort Die Geschichte hinter dem Fliesenbild am Parc de la Mar in Palma Die Entstehung von „Pintura para David Fernández Miró“ Die Symbolik von Blau, Rot, Gelb und Mirós Traumzeichen Mirós Verbindung zum Surrealismus Kunst als Trost, Erinnerung und Poesie Die Zusammenarbeit mit dem Keramiker Lluís Castaldo aus Sóller Warum Mirós Kunst wie Musik von Bach und Mozart funktioniert Erwähnte Orte & Künstler: Palma de Mallorca Parc de la Mar Kathedrale von Palma Joan Miró Alexander Calder Johann Sebastian Bach Wolfgang Amadeus Mozart
Artaffairs Mallorca erscheint nun monatlich mit Geschichten über Kunst, Kultur und kreative Orte auf Mallorca.
Wenn Euch die Folge gefallen hat oder Ihr Anregungen habt, freue ich mich über ein Feedback.
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Transkript anzeigen
00:00:16: Jean-Miro und das Blaue Vermächtnis.
00:00:19: Willkommen zu einer ganz besonderen Folge von ADEFERS!
00:00:22: Heute nehme ich euch mit nach Mallorca, auf eine Insel voller Kunst-, Licht- und kreativer Geschichten – denn der Kunstpodcast ADEfers bekommt einen neuen Ableger.
00:00:32: ADEFS Mallorcas den ihr ab jetzt auch separat abonnieren könnt.
00:00:37: Mallorco ist für viele nur Sonne mehr und schöne Buchten Aber diese Insel ist auch ein kultureller Kosmos.
00:00:44: Hier entstehen große Ausstellungen, internationale Kunstmessen, Ateliergespräche und magische Nächte wie die nit de laat bei der ganz Palma zur Galerie wird.
00:00:55: In den kommenden Folgen nehme ich Euch mit zu besonderen Orten der Kunst auf Mallorca, zu berühmten Künstlern versteckten Geschichten, spannenden Ausstellungs- und Orten an denen man oft vorbeiläuft ohne zu ahnen was man eigentlich gerade sieht!
00:01:10: Ein eigener Trailer zu Ardefers Mallorca wird es natürlich auch noch geben.
00:01:14: Heute starten wir einfach direkt mit einem Künstler, der wie kein anderer mit dieser Insel verbunden ist – Jean Miro – für mich der größte und bekannteste Künstlermajorcas ein Künstlar dessen Werke überall auf der Insel Spuren hinterlassen haben in Museen, Ateliers öffentlichen Räumen und mitten in Palma.
00:01:36: Und genau dort beginnt heute unsere erste Geschichte Am Park de Lamar, direkt gegenüber der Kathedrale.
00:01:43: Dort befindet sich das große blaue Fliesenbild von Jean-Miro an dem jeder von euch bestimmt schon mal vorüber geschlendert ist.
00:01:51: Aber wisst ihr eigentlich was hinter diesen bunten Zeichen steckt?
00:01:55: Jean Miro selbst wird uns von diesem so sehr persönlichen Bild erzählen.
00:02:00: Jean schön dass du heute hier bist.
00:02:03: Hallo wie schön dass ich bei deinem ersten Mallorca Podcast mitmachen darf.
00:02:08: Wir treffen uns hier an einem der persönlichsten Bilder von mir im öffentlichen Raum.
00:02:14: Viele verbinden dich mit Barcelona oder Paris, aber Mallorca war eigentlich dein Zuhause, oder?
00:02:21: Ja richtig!
00:02:22: Meine Mutter war Mallorclinerin – meine Frau ebenfalls.
00:02:26: Diese Insel war nie nur ein Rückzugsort für mich.
00:02:30: Sie war Teil meines Lebens.
00:02:32: Ich wurde in Barcelona geboren.
00:02:34: In Paris habe ich mich als Künstler entwickelt Aber auf Mallorca habe ich wirklich gearbeitet.
00:02:39: Hier fand ich Ruhe, Licht und Weite.
00:02:42: Seit nineteenhundertsechsundfünfzig lebte ich dauerhaft hier bis zu meinem Tod neunzehnhundertdreiundachtzig.
00:02:49: Und man spürt diese Verbindung bis heute überall auf der Insel.
00:02:54: Mallorco hat meine Kunst nicht verändert!
00:02:56: Insel hat sie freigelegt.
00:02:58: Das Licht hier ist anders Der Himmel das Meer Die offenen Horizonte.
00:03:03: Meine Arbeiten wurden einfacher Freier Reduzierter.
00:03:07: Ich wollte immer mehr mit wenigen Zeichen sagen.
00:03:10: Und eines dieser Werke sehen jeden Tag tausende Menschen in Palma ohne wirklich zu wissen, was es dir bedeutet hat – das große Fliesenbild am Park de Lamar direkt gegenüber der Kathedrale zum Meer hingesehen.
00:03:24: Was viele nicht wissen dieses Werk entstand aus einem sehr persönlichen Moment
00:03:30: Ja!
00:03:31: Es entstand nineteenhundertfünfundsechzig Nach dem Tod meines Schwiegers uns David.
00:03:36: Er starb sehr früh bei einem Autounfall.
00:03:39: Und hinterließ meine kleinen Enkelkinder, David Acht und Emil sechs Jahre alt.
00:03:44: Ich wollte ihnen etwas schenken Etwas das Trost spendet Nicht mit Worten Sondern mit Bildern.
00:03:50: Beide bekamen ein Bild.
00:03:52: Die Vorlage für dieses Fliesenbild war Für den älteren Enkel der wie sein Vater David hieß.
00:03:57: Daher heißt es auch Pintu war Papa David Fernandez Miro Also zu Deutsch gemälde für David Fernandes Miro.
00:04:05: Das heißt, dieses Werk war ursprünglich gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht?
00:04:10: Nein!
00:04:11: Es war etwas familiäres.
00:04:13: Ein sehr langes horizontales Gemälde – fast wie ein Horizont zwischen Erde und Himmel.
00:04:19: Später entstand daraus das monumentale Keramikbild im Park de Lamar.
00:04:24: Wenn man davor steht sieht man zuerst Farben- und Formen blau-, rot-, gelb-, schwarze Linien.
00:04:31: Aber hinter diesen einfachen Zeichen steckt unglaublich viel Symbolik,
00:04:47: oder?
00:05:02: Auch den Surrealisten angeschlossen.
00:05:04: Ah, verstehe!
00:05:05: Aber das Blau spielt bei diesem Werk schon eine enorme Rolle oder?
00:05:21: Und das Rot?
00:05:24: In
00:05:29: der Mitte des Bildes sehe ich einen kleinen gelben Klecks.
00:05:33: Das Gelb soll wie ein Licht am Ende des Tunnels wirken.
00:05:37: Ich wollte kein trauriges Werk schaffen, es ging nicht um Tod Es ging um Weiterleben
00:05:43: Was sich faszinieren finde.
00:05:45: das Werk wirkt fast wie eine Kinderzeichnung sehr reduziert fast spielerisch.
00:05:52: Das war bewusst.
00:05:53: Kinder verstehen Kunst oft besser als Erwachsene.
00:05:56: Sie suchen nicht sofort nach Bedeutung sie fühlen zuerst.
00:06:00: Deshalb wollte ich einfache Linien.
00:06:02: Offene Formen, keine schwere Symbolik.
00:06:05: Meine Enkel sollten Trost spüren, keine Angst.
00:06:08: In diesem Zusammenhang fällt mir ein Gedicht ein welches ich zum Tod meines lieben Künstlerfreundes Sandy dem Bildhauer Alexander Calder schrieb.
00:06:16: Meine bunten Mobilis hatten einen starken Einfluss auf mein eigenes Schaffen.
00:06:20: vor allem die Leichtigkeit und Verspieltheit seiner Kunst hat mich fasziniert.
00:06:24: Ich schrieb Dein Gesicht war dunkel geworden Und beim Erwachen des Tages werden deine Asche sich im Garten verstreuen.
00:06:32: Deine Asche wird zum Himmel fliegen, um mit den Sternen Liebe zu machen.
00:06:36: Sandy!
00:06:37: Sandy!
00:06:38: Deine asche streichelt.
00:06:40: die Regenbogenblumen, die das Blau des Himmels
00:06:43: kitzeln.".
00:06:44: Diese Zeilen würden auch zum Trostbild für David Passen finde
00:06:48: ich.
00:06:49: Ja, das finde ich auch.
00:06:51: Eigentlich ist eine Kunst ja auch eine Form von Pussy.
00:06:55: Für mich sieht es so aus, als wenn die Seele im Himmel tanzen würde freundlich lächelnd vielleicht auch beschützend von oben.
00:07:04: Genau das freut mich dass du das so siehst und meine Formensprache soll dich in diesem Empfinden unterstützen die aber nichts vorschreiben.
00:07:12: ganz links im Bild siehst Du zum Beispiel eine Art Strickleiter.
00:07:15: Sie ist abwechselnd mit rot und schwarzer Farbe ausgefüllt.
00:07:19: sie führt sozusagen in den Reigen der Zeichen ein.
00:07:22: Man könnte sie als eine Art Himmelsleiter verstehen oder eine Verbindung zur Traumwelt.
00:07:27: Dann sehen wir Punkte, aus denen in Verbindung mit dem nach unten zeigendem Pfeil auch ein lachendes Gesicht gesehen werden kann.
00:07:35: Die Punkte und Pfeile können aber auch einfach für Impulse stehen.
00:07:38: daher haben meine Pfeiler auch keine Spitzen sondern sind vorne gebogen.
00:07:42: das macht sie organischer und lebendiger.
00:07:45: die bringen Bewegung in meine Bilder.
00:07:47: Du verwendest aber schon häufig immer wieder die gleichen Zeichen.
00:07:51: Wie kam es dazu?
00:07:53: Ja, das ist richtig beobachtet.
00:07:55: Ich habe mir im Laufen meines Lebens eine ganz eigene Formensprache angeeignet.
00:08:00: Eigene Noten sozusagen mit denen ich meine Bilder zu komponieren weiß.
00:08:05: nicht umsonst werde ich scherzweise der Sonne Mond und Sterne Maler genannt.
00:08:10: Neben solchen eher plakativen Zeichen gibt es aber auch sehr persönliche.
00:08:14: ein zipfelartiges Gebilde steht bei mir zum Beispiel für die katalanische Baritina Die traditionelle rote katalanische Mütze, die ist immer ein Identitätssymbol in meinen Werken und bedeutet immer einen Bezug zu meinen katalanischen Wurzeln.
00:08:27: Dieses Drohstbild für meinen Enkel David nun mal auch einen engen familiären Bezug hat.
00:08:32: könnte man die beiden gestreiften Zipfel in der Mitte des Bildes also auch so deuten
00:08:38: Verstehe um die Gebilde in deinem Bild mal weiterzuverfolgen taucht nach den Zipflmützen unten am Rand eine artmenschliche Figur auf.
00:08:47: Ich erkenne einen bunten Oberkörper und darüber ein angedeutetes Gesicht mit Augen und einem gebogenen Strich als Nase.
00:08:56: Und abschließend ganz rechts ist wieder sowas wie eine Himmelsleiter zu sehen, mit einem Pfeil daran der nach oben führt.
00:09:04: oder liege ich da ganz falsch?
00:09:06: Nein das kann man durchaus so sehen muss man aber nicht!
00:09:10: Wie gesagt jeder Deute träume anders.
00:09:13: versuche das Bild zu fühlen wie schöne Musik.
00:09:16: Bach und Mozart haben mich für meine Kunst sehr inspiriert.
00:09:20: Mozart beschwört die Liebe herauf mit seiner Reinheit, seiner Großzügigkeit und der Schlichtheit seiner Liebe.
00:09:26: Bach gibt mir großartigen Architekturunterricht.
00:09:29: Sie verhelfen uns dazu trotz so vielem niedrigen und gemeinen Leben zu können.
00:09:34: Was für ein passender Vergleich.
00:09:36: So wie Bach seine Fugen immer wieder variiert hat, um daraus ein Musikstück zu komponieren, variierst du deine Kunstzeichen immer wieder aufs neue zu gemälde Kompositionen und hast dabei die Leichtigkeit eines Mozarts, um aus einer einfachen klaren melodischen Linie eine emotionale Tiefe entstehen zu lassen.
00:09:57: Eine letzte Frage habe ich noch lieber Miro.
00:09:59: Das Bild wurde in den Park de Lamar installiert, ein halbes Jahr nach deinem Tod.
00:10:07: Hattest du daran noch mitgewirkt?
00:10:10: Ja!
00:10:12: In der Mitte des Dezems wurde ich gefragt ob dieses Werk für Palma umgesetzt werden könnte.
00:10:20: Und ich entschied mich bewusst dafür.
00:10:22: Es war ein Geschenk an die Stadt An eine Insel, die mir sehr viel gegeben
00:10:26: hat.
00:10:27: Für die Umsetzung arbeitete es du mit dem Keramiker Luis Castaldo aus Soyer zusammen.
00:10:34: Ja, ein wunderbarer Künstler!
00:10:37: Er verstand das Keramik nicht einfach nur Material ist – er musste meine spontane Malerei in hunderte einzelne Keramiktplatten übersetzen.
00:10:47: Das war extrem schwierig.
00:10:49: Die Farben mussten beim Brennen exakt richtig wirken Besonders das Blau
00:10:54: Und jede Platte wurde einzeln gefertigt?
00:10:58: Ja, von Hand.
00:10:59: Wie ein riesiges Puzzle!
00:11:01: Castaldo schaffte es das die Oberfläche lebendig blieb – nicht industriell….
00:11:06: …nicht glatt.
00:11:07: Man spürt noch heute die
00:11:08: Handarbeit.".
00:11:10: Dann haben wir jetzt eigentlich alle eine kleine Aufgabe beim nächsten Spaziergang am Park de Lamar einmal vor miros großen Fliesenbild innehalten.
00:11:19: Nicht einfach vorbei gehen sondern seine Traumwelt aus Farben Zeichen und Linien ganz bewusst auf sich wirken lassen und vielleicht auch einmal mit der Hand über die angenehm kühlen Fliesen streichen.
00:11:31: Denn erst durch das Anfassen spürt man, dass keine Fliese wie die andere ist.
00:11:37: Manche sind rau, manche glatt, manch leicht gewählt!
00:11:41: Vielen Dank lieber Miro!
00:11:43: Da du so viele Spuren auf Mallorca hinterlassen hast wird es mir eine Ehre sein einen weiteren Podcast mit dir zu kreieren.
00:12:00: Das war die erste Folge von Adefers Mallorca.
00:12:03: Die nächste Episode erscheint Mitte Juni mit spannenden Anregungen für den Kultursommer auf der schönsten Insel der Welt.
00:12:10: Habt ihr Kunst-Tipps, Fragen oder eigene Entdeckung?
00:12:14: Dann schreibt mir gern auf Instagram at podcastadefers Oder hinterlasst einen Kommentar bei Spotify und Apple Podcast Und wenn euch die Folge gefallen hat Freu ich mich über ein kleines Zeichen wie einen Daumen hoch.
00:12:28: Danke fürs Zuhören und bleibt inspiriert!
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